Generating Utopia

Eine Datenvisualisierung, die von der Zukunft träumt

Tagtäglich hinterlassen wir Informationsfragmente in den halböffentlichen Räumen des Internets. Diese Daten beziehen immer mehr auch die Orte ein, an denen wir uns im realen Leben befinden. Das soziale Netzwerk »Foursquare« beispielsweise gibt seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Präsenz an einem Ort durch sogenannte »Check-Ins«mit ihren Freunden zu teilen.

Doch die Daten, die wir in diesen sozialen Netzwerken hinterlassen, sind bei Weitem kein komplettes Abbild unseres realen Lebens: sie repräsentieren lediglich den Teil davon, den wir nach Außen zeigen wollen. Somit stellt jeder Datensatz ein persönliches Wunschbild, eine Utopie seines Urhebers dar, die dieser unterbewusst nach seinen Vorstellungen, Vorlieben und sicherlich auch nach den Erwartungen, die andere an ihn haben, ausrichtet.

»Generating Utopia« soll diese Utopie sichtbar machen und zeigen, wie menschliche Lebensräume sich verändern könnten, wenn es möglich wäre, diese unter Berücksichtigung ortsbezogener Daten aus sozialen Netzwerken umzugestalten. Die Betrachtung der transformierten Landschaft lässt es zu, reale Orte und deren Infrastruktur mit den räumlichen und infrastrukturellen Präferenzen ihrer Bewohner zu vergleichen und gegenüber zu stellen.

Derzeitige Diskussionen über den Missbrauch digitaler Informationen rücken das Interpretieren und Visualisieren persönlicher, ortsbezogener Daten in ein schlechtes Licht. »Generating Utopia« soll einen Gegenakzent zu dieser Diskussion setzen und zeigen, dass »Big Data« nicht allein die allumfassende Durchleuchtung des Menschen bedeuten muss, sondern sich positiv auf unsere Zukunft auswirken kann — in diesem Fall beispielsweise durch Formen zukünftiger Städteplanung, die die Vorlieben ihrer Bewohner miteinbeziehen. Das Projekt soll einen Blick in die Zukunft bieten, der die Fantasie anregt.

Resultat des Projekts ist eine interaktive Visualisierung, die in Echtzeit Datensätze auf Topologien von Städten anwendet und diese hierdurch virtuell umgestaltet.

In ihrem Ausgangszustand zeigt die Simulation eine virtuelle 3d-Rekunstruktion der Stadt. Der Benutzer kann sich mithilfe einer 3d-Maus frei in der Landschaft bewegen, als würde er einen Helikopter steuern. Er kann den Datensatz einer Person auswählen, woraufhin die Landschaft sich entsprechend dieses Datensatzes zu transformieren beginnt. Hügel und Berge wachsen an Stellen, wo die ausgewählte Person ihren Daten zufolge am meisten unterwegs war; je frequentierter, desto größer das Wachstum.

Farbig kodierte Röhren verbinden die einzelnen Orten miteinander und weisen auf deren Kategorisierung hin: Blau repräsentiert Orte für Freizeitaktivitäten wie Bars und Parks, Rot steht für Produktivität, zum Beispiel Arbeitsplätze und Einkaufsmöglichkeiten. Gelb kodiert werden Transportmöglichkeiten wie Bushaltestellen und Bahnhöfe. Um diese Kodierung nachzuvollziehen, kann der Benutzer Text-Überlagerungen zuschalten, die Name und Kategori- sierung der besuchten Orte zeigen.

Aus der neu entstehenden Topologie lässt sich auslesen, wie Bewohner ihre Stadt »benutzen«, und wo sie ihre lokalen Präferenzen haben. Neben diesem infografischen Charakter der Anwendung soll jedoch gleichzeitig ein »utopisches«, surreal anmutendes Bild der ursprünglichen Stadt erschaffen werden, welches das Vorstellungsvermögen und die Fantasie des Betrachters anspricht.

»Generating Utopia« wurde in der Programmierumgebung »Processing« erstellt. Trotz ihrer illustrativen Darstellung beruht die Simulation zum größten Teil auf dem reinen Interpretieren geographischer Daten. Die Topologie der Stadt, das Satellitenbild und die Gebäude werden aus öffentlich zur Verfügung stehenden Online-Datenbanken wie z.B. openstreetmaps.org bezogen und als Grundlage zur Berechnung des Stadtmodells verwendet.
Die Landschaft wird aufgrund der »Check-In«-Daten von Bewohnern der gleichen Stadt aus dem sozialen Netzwerk »Foursquare« transformiert. Hierfür haben einzelne Foursquare-User freiwillig ihre Daten zur Verfügung gestellt, die dann ausgelesen und interpretiert wurden.

Sonne, Himmel und Lichtstimmung wurden so gestaltet, dass sie der generierten Landschaft eine surreale, träumerische Anmutung verleihen. Die virtuelle Kamera lässt sich durch den Benutzer steuern, ihr Fokuspunkt folgt hierbei automatisch der Transformation der Landschaft und wurde mit gelegentlichen Zooms, Verzögerungen und Verwacklungen versehen, als würde sie von Menschenhand gehalten werden. Diese gestalterischen Elemente sollen ein immersives Moment ermöglichen, aber eine surreale Atmosphäre schaffen, um die erzeugten Bilder utopisch, trotzdem glaubwürdig erscheinen zu lassen und den Bezug zur Realität herzustellen.